- Liberale Senioren Rheinland-Pfalz

Eckpunkte Liberaler Seniorenpolitik

VORWORT

Die vorliegenden „Eckpunkte Liberaler Seniorenpolitik“ wurden vom Bundesvorstand
der Liberalen Senioren in zweijähriger Arbeit unter der Federführung des
stellvertretenden Bundesvorsitzenden Dr. Kurt Sütterlin entwickelt. Sie erheben
nicht den Anspruch, eine umfassende Darstellung von Seniorenpolitik in Deutschland
zu liefern. Das ist bei diesem Umfang gar nicht möglich. Sie zeigen vielfältige
Aspekte einer Politik, die nachhaltige Lösungen für die Probleme des demographischen
Wandels sucht.
Eckpunkte wollen „anecken“. Wenn es uns gelänge, durch die Lektüre Anstöße für
eigenes Denken zu vermitteln, wenn darüber hinaus deutlich würde, worin sich
liberale Seniorenpolitik von anderer politischer Ausrichtung unterscheidet, wären
wir zufrieden.
Allen Mitgliedern des Bundesvorstandes und allen Mitgliedern aus den Landesverbänden,
die Beiträge geliefert und mitgewirkt haben, sei an dieser Stelle herzlich
gedankt. Über Hinweise, Anregungen und Kritik, auch von Leserinnen und Lesern,
die bisher nicht Mitglied der Liberalen Senioren sind, würden wir uns freuen. Das
würde uns helfen, diese „Eckpunkte“ weiterzuentwickeln. Vielleicht können wir
Sie als Mitstreiter für eine offene und kultivierte Gesellschaft ohne Altersgrenzen
gewinnen.
Bertold Bahner
Bundesvorsitzender
im Dezember 2007


INHALTSVERZEICHNIS

INHALT

Freiheit und Verantwortung kennen keine Altersgrenze 07
Das neue Bild vom Alter 08
Selbstbestimmung und politische Teilhabe 09
Generationenübergreifende Politik 10
Alter ist kulturelles Kapital 11
Ältere wählen zunehmend FDP, verstärkte Teilhabe 12
Die Beschäftigungspotenziale der Älteren in der Wirtschaft nutzen 13
Potenziale des Alters in der Wirtschaft nutzen (Seniorenwirtschaft) 14
Bildung im Alter - Bildung für das Alter 15
Kultur und Demografi e 16
Bürgerschaftliches Engagement 17
Selbsthilfegruppen 18
Kommunale Seniorenpolitik 19
Leben und Wohnen im Alter 20
Ländlicher Raum 21
Umweltpolitik 22
Die Überprüfung und Veränderung der Rahmenvorgaben
zur Sicherung der Sozialsysteme, Generationenbilanzen 23
Familienpolitik 24
Gesundheit 25
Pfl ege 26
Behinderte Menschen im Rentenalter 27
Schmerzlindernde Medizin (Palliativmedizin) 28
Alternsforschung und Altersheilkunde (Gerontologie und Geriatrie) 29
Ältere mit Migrationshintergrund 30
Europäische Politik für Senioren 31
Zusammenfassend 32

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

FREIHEIT UND VERANTWORTUNG KENNEN KEINE ALTERSGRENZE

Erklärtes Ziel liberaler Seniorenpolitik ist die Wahrung der Würde und der
Selbstbestimmung der älteren Menschen in jeder Phase ihres Lebensweges.
Das gilt gerade deswegen, weil das Verständnis von Altern und Alter im Wandel
begriffen ist. Die Gesellschaft braucht ein neues Bild vom Alter, das Abstand
nimmt vom Alter als Zeit der Verluste und Risiken, der gesellschaftlichen
Abwertung und der Befürchtung vor der sozialen Überforderung.
Diese gesellschaftliche Veränderung ist eine der großen Herausforderungen dieses
Jahrhunderts. Sie hat tief greifende Folgen nicht nur für Gesundheit, Rente
und Pfl ege. Weit reichende Auswirkungen betreffen den Arbeitsmarkt ebenso
wie die Bildung, die Familie, die Rechtsordnung und die Kommunalpolitik.
“Die gewonnenen Jahre bewusst und selbstbestimmt gestalten, neue Facetten
des Lebens im Alter kennen lernen und eigene Potenziale entdecken, auf Jüngere
zugehen, Verantwortung übernehmen und Partner der Politik sein.“ Diese Standortbestimmung
des Deutschen Seniorentags 2006 beschreibt ein Altersbild, das
in vielen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet ist.
Für die Liberalen Senioren steht die verantwortliche Mitarbeit der älteren
Generation an den gesellschaftlichen Entwicklungen im Vordergru nd.
Sie setzt aber eine substanzielle politische Teilhabe voraus. Dazu
muss die Initiative maßgeblich von den Älteren selbst ausgehen. Die
Zeit der Rollen– und Funktionslosigkeit älterer Menschen ist vorbei.
Die strukturellen Veränderungen stellen hohe Ansprüche an zukünftige liberale
Politik. Die Anerkennung und Akzeptanz des Leistungsvermögens der älteren
Generation bilden einen Ansatz für die Bewältigung der gesellschaftlichen
Herausforderungen.
Die Themen der Seniorenpolitik stehen immer im Zusammenhang mehrerer Politikfelder
und müssen als Querschnittsaufgabe betrachtet werden. Zur Klärung
des eigenen Standortes der LIBERALEN SENIOREN soll diese Aufl istung der Eckpunkte
dienen.

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

DAS NEUE BILD VOM ALTER

Seniorenpolitik wird in unserer Gesellschaft noch immer mit Vorbehalten betrachtet,
obwohl sie nicht nur der wachsenden Gruppe der Älteren und Alten
dient. Die Erkenntnis, dass Alter kein Endpunkt, vielmehr Altern ein lebenslanger
Prozess ist, führt heute zu einer differenzierenden Unterscheidung zwischen
den so genannten Jungen Alten, den Älteren und den Hochbetagten.
Während bisher steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenzahl die Diskussion
bestimmten, treten heute andere Gesichtspunkte in den Vordergrund:
Die längere Leistungsfähigkeit älterer Menschen ebenso wie die spezifi schen
Kompetenzen, die man durch lange Lebenserfahrung erwirbt. Ein 60-jähriger
Mensch befi ndet sich heute auf dem gleichen Leistungsniveau wie ein 50-Jähriger
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Daher geht es nicht mehr nur darum, die gängigen
gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber dem Alter abzubauen. Alter kann
nicht mehr generell mit Schwäche oder einfach mit Defi ziten gleichgesetzt werden.
Ältere Menschen sind nicht weniger, sie sind anders leistungsfähig als jüngere.
Diese Feststellung ist vor dem Hintergrund zu sehen, den die Soziologie heute
vom Alter zeichnet. Danach unterscheiden sich die sogenannten Jungen Alten
und die Mehrheit der Älteren in ihrer Lebensweise kaum von Menschen mittleren
Alters; weder in ihren Konsumgewohnheiten, noch was Fitness, kulturelle Interessen,
Beziehungspfl ege und Sexualverhalten betrifft.
Dieses neue Bild vom Alter in der Gesellschaft zu vermitteln, ist ein kurzfristiges
Ziel liberaler Seniorenpolitik. Diese Aufgabe geht an die Adresse der Wirtschaft
und der Parteien, der Verbände und der Institutionen, vor allem aber an die Adresse
der Medien. Gerade die mittlere Generation ist aufgerufen, das neue Bild vom
Alter in ihr Verständnis und ihre Lebensplanung aufzunehmen.
Liberale Seniorenpolitik fordert Anerkennung für das Alter, Respekt für die Leistungsfähigen
ebenso wie Achtung gegenüber den Hilfsbedürftigen. Wir fordern
Einbindung statt Ausgrenzung der Älteren in Wirtschaft und Gesellschaft, wir
fordern Gestaltungsräume und altersgerechte Arbeitsplätze.

SELBSTBESTIMMUNG UND POLITISCHE TEILHABE

Den Kern liberaler Seniorenpolitik bildet die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung
auch im Alter. Diese Forderung wendet sich nicht nur gegen
Diskriminierung und Reglementierung, sie ist auch ein Aufruf zu mehr
Selbst-Wertgefühl, zur Bewahrung von Selbstständigkeit, zu einem Selbst-
Bewusstsein, das sich mit Verantwortungsbewusstsein für andere verbindet.
Wie jeder Bürger ist der Ältere eine zu respektierende Person auch in Krankheit
und Leid und nicht lediglich ein der staatlichen Fürsorge unterworfenes Objekt.
Selbstbestimmung im Alter setzt Mitbestimmung voraus, im Sinne von
Mitwirkungs möglichkeiten in Gesellschaft und Politik. Wir fordern politische
Teilhabe nicht nur bei Seniorenbeiräten und verbindlichen Anhörungen,
sondern auch durch angemessene Repräsentanz in den Entscheidungsgremien.
Dies gilt auf den Führungsebenen der Parteien ebenso wie in den Kommunen,
den Landtagen und im Bundestag. Dafür wollen wir Verantwortung
übernehmen auch für die nachfolgenden Generationen, Lebenserfahrung vermitteln
und nicht nur die eigenen Interessen vertreten.

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

GENERATIONENÜBERGREIFENDE POLITIK

Wir Ältere können zurückblicken auf die Zeit, in der wir jung waren, und wir
können hinausblicken in die Welt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden.
Darin liegt die besondere Verantwortung der älteren Generation. Aus
dieser Verantwortung heraus fordern die Liberalen Senioren Nachhaltigkeit
in allen wichtigen Bereichen der Politik, nicht nur mit Blick auf die Umwelt.
Wir brauchen dauerhafte Lösungen: Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik,
weil wir aus Erfahrung wissen, dass mangelnde Haushaltsdisziplin
die Grundlagen für die Zukunft unterminiert, Nachhaltigkeit in der Bildungspolitik,
weil wir erfahren haben, dass nur Allgemeinbildung im besten Sinne
des Wortes einen jungen Menschen in die Lage versetzt, sein Leben
sinnvoll und eigenverantwortlich zu führen, Nachhaltigkeit in der Familienpolitik,
weil Kinder die Zukunft sind. Dabei bleibt die Unterstützung
hilfsbedürftiger älterer Menschen eine selbstverständliche Aufgabe
der Jüngeren. “Einer verantwortlichen generationenübergreifenden Politik
kommt entgegen, dass die heutigen Jugendlichen über ein ausgeprägtes
Problembewusstsein zum demografi schen Wandel verfügen. Prägend
ist auf der einen Seite ein Altersbild, das mit Hochachtung vor der
Leistung der Älteren verbunden ist. Auf der anderen Seite treten aber auch
Sorgen hinsichtlich der Verteilung öffentlicher Gelder und der eigenen Alterssicherung
hervor.“ (Shell, Jugendstudie 2006)
10 ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK
ALTER IST KULTURELLES KAPITAL
So hat der Kultursoziologe Pierre Bourdieu die gesellschaftliche Funktion des
Alters umschrieben. Demnach ist die Bewahrung und Weiterentwicklung des
kulturellen Erbes wesentliche Aufgabe des Alters. Das große Erbe der deutschen
Kultur im europäischen Rahmen zu vertreten und in den Weltzusammenhang
einzuordnen, sollte gerade den Liberalen nicht schwer fallen.
Lebenserfahrung und emotionale Intelligenz befähigen ältere Menschen
in besonderem Maße, kulturelle Werte zu vermitteln. Nicht durch
Belehrung, sondern im ständigen Diskurs ist die Tradierung von Kultur
weit mehr als schlichter Wissenstransfer. Sie hat ein tieferes Verständnis
für menschliches Zusammenleben zum Ziel, für die Werte einer offenen
und gebildeten Gesellschaft. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur
sinnorientierten Kommunikation von Menschen. Begegnung und Austausch
ermöglichen die Auseinandersetzung mit Lebens- und Glaubens
fragen, die sich mit der eigenen Biografie verbinden.

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

ÄLTERE WÄHLEN ZUNEHMEND FDP, VERSTÄRKTE TEILHABE

Die Bundestagswahl im September 2005 hatte für die FDP ein gutes Ergebnis
mit 9,8 % der Zweitstimmen gebracht, eine Verbesserung um 2,4 %. Auffällig ist
der gestiegene Anteil bei den 60-jährigen und älteren Wählern. Hier gelang der
FDP mit 3,5 % die größte Steigerung auf nunmehr 9,3 % dieser Wählergruppe. Da
rund ein Drittel aller Wahlberechtigten in diese Altersgruppe gehören, tragen die
Älteren wesentlich zu dem guten Wahlergebnis der FDP bei.
Die verstärkte Teilhabe älterer Menschen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik
ist damit eine Notwendigkeit. Innerhalb der FDP wird bei Funktionen und Mandaten
die Kompetenz der Älteren bisher zu wenig genutzt. Auch im Bundestag ist
die Gruppe der über 60-Jährigen weit unterrepräsentiert. In den Kommunen sind
die Beteiligungsrechte der Senioren nicht ausreichend gewährleistet. Senioren
können im Ehrenamt und im bürgerschaftlichen Engagement sehr viel mehr Verantwortung
übernehmen.
Forderungen:
• Bei der Personalplanung und Mandatsverteilung in der FDP die Älteren
stärker mit einbeziehen
• In allen Programmen der FDP (Europa, Bund, Land, Kommunen) die
ältere Bevölkerungsgruppe als Zielgruppe ausdrücklich ansprechen
• Dies gilt auch für die Mitgliederwerbung
• Stärkung der Mitwirkung der Senioren in den Kommunalverfassungen
(Seniorenvertretungen) und vergleichbare Regelungen auf Landes-
und Bundesebene

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

DIE BESCHÄFTIGUNGSPOTENZIALE DER ÄLTEREN IN DER WIRTSCHAFT NUTZEN

Deutschland steht an 15. Stelle bei der Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer
in der EU. Fast jedes zweite deutsche Unternehmen beschäftigt keinen Mitarbeiter
mehr über 50 Jahre. Beim Personalabbau werden bevorzugt die älteren
Beschäftigten angesprochen. Die stärkere Beteiligung Älterer im Arbeitsleben ist
aber zwingend erforderlich, um dem absehbaren Mangel an qualifi ziertem Nachwuchs
abzuhelfen. Der Verschwendung von Ressourcen beim fachlichen Können,
der sozialen Kompetenz, der Erfahrung und Leistungsbereitschaft ist entgegenzuwirken.
Die demografi sche Entwicklung fordert eine neue Vorstellung und ein
neues Wissen von der spezifi schen Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen.
Forderungen:
• Beendigung der Regelungen zum Vorruhestand
• Betriebliches Altersmanagement, das Faktoren wie Berufsrisiko, Gesundheitsschutz,
Arbeitsplatzgestaltung umfasst
• Gesicherte Fort- und Weiterbildung für ältere Arbeitnehmer, Einstellung
auf die geänderte Leistungsfähigkeit
• Überprüfung von Senioritätsprivilegien, die eine beschäftigungshemmende
Wirkung haben
• Die Beseitigung von Einstellungshemmnissen von Älteren,
Schaffung von Arbeitsplätzen für Ältere
• Abschaffung fester Altersgrenzen für den Eintritt in den Ruhestand
• Flankierende Reformen des Arbeitsmarktes, um die Beschäftigung
älterer Arbeitnehmer zusätzlich zu begünstigen

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

POTENZIALE DES ALTERS IN DER WIRTSCHAFT NUTZEN (SENIORENWIRTSCHAFT)

Senioren sind die größte Wählergruppe und die größte Konsumentengruppe.
Trotzdem scheint bei vielen Anbietern von Produkten und Dienstleistungen Unkenntnis
zu bestehen hinsichtlich der Erwartungen und Bedürfnisse älterer Menschen.
Den Herstellern ist offenbar nicht bewusst, dass die Älteren weniger kaufen
als sie eigentlich möchten, weil sie die geeigneten Angebote nicht fi nden. Die
Seniorenwirtschaft ist nicht nur Impulsgeber für Wachstum und Beschäftigung
sondern auch ein Element zur Steigerung der Lebensqualität.
Forderungen:
• Erweitertes Angebot von haushaltsnahen Dienstleistungen und Produkten
• Anwendung altersgerechter und benutzerfreundlicher Technologien
• Die Älteren müssen ihre Erwartungen formulieren und sich ihrer
Marktmacht bewusst werden und diese einsetzen
• Berücksichtigung auch der Konsumbedürfnisse sozial schwacher älterer
Menschen
• Einrichtung eines Verbraucherschutzes für ältere Menschen
14 ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK
BILDUNG IM ALTER - BILDUNG FÜR DAS ALTER
Bislang ist Bildung verstanden worden als Teil eines Lebensabschnitts, der vor
der Erwerbsphase liegt und mit Aufnahme der Berufstätigkeit abgeschlossen ist.
Die Vorstellung, man könne Bildung und Weiterbildung auf einen frühen Lebensabschnitt
begrenzen, ist nicht mehr zeitgemäß. Gerade auch ältere Menschen
müssen offen sein für Bildungsangebote.
Der fünfte Altenbericht der Bundesregierung von 2005 stellt große Unterschiede
der Bildungsbeteiligung fest. Über 65-Jährige unterscheiden sich in ihrer schulischen
und berufl ichen Qualifi kation noch erheblich vom heutigen Bevölkerungsdurchschnitt.
Bildung im Alter dient nicht vorrangig der Anhäufung von Wissen,
Fertigkeiten und Kenntnissen. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität
und Ausdruck selbstbestimmten Lebens. Ältere Mitarbeiter besitzen entgegen
der üblichen Annahme eine relativ hohe Lernfähigkeit und Lerngeschwindigkeit
– wenn der damit verbundenen Mühe ein sinnvoller Einsatz gegeben wird.
Forderungen:
• Bildung und lebenslanges Lernen in allen Institutionen installieren
• Notwendigkeit möglichst frühzeitiger präventiver Bildungsmaßnahmen,
um Bildungsungleichheit im Alter abzubauen
• Gesellschaftliches und politisches Engagement Älterer durch Bildungsangebote
und fachliche Qualifi zierung unterstützen
• Angebote zur Weiterbildung gleichberechtigt an jüngere und ältere
Arbeitnehmer

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK
KULTUR UND DEMOGRAFIE

Kultur wird in der älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. Die Gesellschaft
muss Neues ermöglichen und die Tradition bewahren. Kulturproduzenten,
Kulturpolitiker und Kulturvermittler stehen vor der Aufgabe, die Vielfalt für alle
Altersgruppen zu erschließen und Ältere neu anzusprechen.
Kunst und Kultur sind in der Gesellschaft Grundlage für die Verständigung untereinander
auch über die Generationen hinweg und die Quelle von Identität und
Kreativität. Kunst und Kultur entscheiden wesentlich über den Fortschritt der Gesellschaft.
Ausgaben für Kultur sind keine Subventionen sondern Investitionen
für unsere Zukunft. Die demografi sche Entwicklung bestimmt künftig immer
mehr unsere Realität und damit auch unsere Kultur.
Forderungen:
• Den kulturellen Wandel mitgestalten, damit Chancen ergriffen werden
und nicht der Verlust von Kultur eintritt
• Kulturpolitisches Handeln auf allen Ebenen
• Aufwertung der Kultur und Kulturpolitik in den Programmen der FDP
• Konkrete Entscheidungen zugunsten kultureller Belange in der Konkurrenz
zu Bildung, Erziehung und Wissenschaft.
• höherer Stellenwert von Kunst und Kultur bei den privaten und öffentlichen
Ausgaben im Vergleich zu konsumptiven Ausgaben
• Forum für die Einbeziehung älterer Menschen in einen generationenübergreifenden
Dialog über die Veränderung der Kultur

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT

Allgemein wird die Forderung nach einem stärkeren bürgerschaftlichen Engagement
der älteren Generation erhoben. Von bloßer Beschäftigung und Nützlichmachen
für die Gesellschaft reicht die Palette bis zur Verpfl ichtung zu „gemeinnütziger
Arbeit“. Notwendig ist deshalb eine Bewertung nach den Kriterien
Freiwilligkeit und Qualifi kation. Das bürgerschaftliche Engagement entspricht in
besonderer Weise dem liberalen Verständnis für gesellschaftliche Verantwortung
des Einzelnen. Wenig beachtet wird der große Beitrag des gewachsenen bürgerschaftlichen
Engagements in Vereinen, Kirchen, Parteien, Selbsthilfe, Nachbarschaft
und in sozialen Institutionen. Dabei kommt der aktiven Gestaltung des
Verhältnisses von hauptamtlicher und freiwilliger Arbeit große Bedeutung zu.
Forderungen:
• Solide Analyse von Art und Umfang, Verbindlichkeit und Qualität
• Vorbildliche Beispiele für die vielfältigen Tätigkeiten von Älteren
• Weitere Aktivierung von Seniorinnen und Senioren in Freiwilligendiensten,
die generationenübergreifend angelegt sind
• Mitwirkung und Mitbestimmung für das ehrenamtliche, freiwillige
und selbstorganisierte Engagement
• Aufbau von Infrastrukturen und Anlaufstellen zur Erleichterung des
ehrenamtlichen Engagements Älterer
• Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements durch Gesellschaft
und Politik

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

SELBSTHILFEGRUPPEN

Die Selbsthilfe stellt einen wesentlichen Bestandteil des Gesundheitswesens
dar, umfasst aber auch zunehmend vielfältige Initiativen im sozialen und gesellschaftlichen
Bereich. Ihr Ansatz der gegenseitigen Hilfe entspricht in hohem
Maße liberaler Vorstellung. Viele Ältere gehören zu dem Kreis von Menschen, die
in Selbsthilfegruppen tätig sind und dort Unterstützung und Perspektiven fi nden.
Die Zahl der Selbsthilfegruppen vor Ort (geschätzt bis 100000), die darin
aktiven Menschen (geschätzt bis 3 Millionen) und die dort bearbeiteten Themen
wachsen ständig.
Forderungen:
• Die Selbsthilfearbeit in ihren vielfältigen Ausprägungen fördern
• Die Finanzierung für Prävention und Selbsthilfegruppen als gesamtgesellschaftliche
Aufgaben nicht alleine den gesetzlichen Krankenkassen
aufbürden
• Unterstützung von Kontakt- und Informationsstellen auf lokaler
Ebene

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

KOMMUNALE SENIORENPOLITIK

Der demografi sche Wandel kristallisiert sich in besonderem Maße in den Städten
und Gemeinden. Insbesondere Städte bieten viele Vorteile für ältere Menschen;
vor allem ermöglichen urbane Lebensformen durch ihre Vielfalt selbstbestimmte
soziale Kontaktmöglichkeiten. Sie profi tieren auch von der Beteiligung und den
Kompetenzen der Älteren im Sinne einer wachsenden Solidargemeinschaft.
Die Kommunen sind immer mehr von den Veränderungen der Bevölkerungsentwicklung
betroffen. Sie stehen zunehmend im Wettbewerb um neue Einwohner.
Stadtentwicklung kann sich nicht mehr auf einen „seniorengerechten“
Ausbau und Neubau von Quartieren beschränken. Weit im Vorfeld von speziellen
Unterstützungssystemen besteht die gemeinsame Aufgabe, wie man auch bei
geringerer Mobilität den Alltag in dem angestammten Lebens- und Wohnumfeld
gestalten kann.
Forderungen
• Kommunale Entscheidungen müssen unter dem Aspekt gefällt werden,
dass im Alter eine möglichst lange selbstständige Lebensführung
gewährleistet ist
• Wohnberatung in allen Gemeinden und Städten
• Versorgung mit Waren und Dienstleistungen, Sicherung des Zugangs
zur Teilhabe am öffentlichen Leben
• Gewährleistung der Sicherheit insbesondere im Wohnbezirk
• Beteiligung von Senioren bei kommunalen Beiräten für Kriminalprävention
• Aufbau von Engagement fördernden Strukturen, insbesondere von
Informations- und Beratungsangeboten für Freiwilligendienste

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

LEBEN UND WOHNEN IM ALTER

Die Fülle von Ansätzen für tragfähige Modelle bestätigen einen hohen politischen
Handlungsbedarf. Viele ältere Menschen haben bereits etwas für die Verbesserung
ihrer Wohnsituation getan. Allgemein besteht der Wunsch, solange
wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Leben in der vertrauten
Umgebung verbunden mit gesicherter Mobilität wirken der Vereinsamung entgegen.
Betreutes Wohnen für ältere Menschen ist mit der DIN 77800 ebenso geregelt
wie die Vorgaben für barrierefreies Wohnen und des Wohnumfelds (DIN 18025).
Forderungen:
• Den Komplex Leben und Wohnen im Alter mit Priorität bei den politischen
Entscheidungen berücksichtigen
• Betreutes Wohnen, Initiativen für neue Wohnformen, ambulant betreute
Wohngruppen ausbauen
• Qualitätssiegel für betreutes Wohnen und andere Wohnformen
• Fördermittel für betreutes Wohnen und barrierefreies Wohnen nur
bei Beachtung der DIN-Normen gewähren

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

LÄNDLICHER RAUM

Der ländliche Raum umfasst ca. 75% der Fläche Deutschlands. Er hat sich ebenso
wie die großen Ballungsgebiete vielfältig und differenziert entwickelt. Mit
Ausnahme der Dörfer und Kleinstädte im Randbereich großer Städte, die gute
Wachstums chancen haben, leidet der größte Teil des ländlichen Raumes unter
dem Wegzug der jüngeren Generation wegen der fehlenden Arbeitsplätze. Der
Rückgang der wohnungsnahen Infrastruktur betrifft besonders die Älteren. Wegen
der eingeschränkten Mobilität bemühen sich viele Ältere, in zentralere städtische
Umgebung zu wechseln.
Forderungen:
• Die Förderung der strukturschwachen ländlichen Räume zum gemeinsamen
Thema der verantwortlichen Akteure in Staat und Gesellschaft
machen
• Reaktivierung ländlicher Infrastruktur: Nachbarschaftsläden, Postagenturen,
Bürgerbüros, lokale Betreuung älterer Menschen, Bürgerbusse
für den Weg zum Arzt usw.
• Aktivierung der Senioren zu eigenen Initiativen bei politischen Einfl
ussnahmen, z.B. beim Wohnen, bei Betreuungskonzepten und bürgerschaftlichen
Initiativen

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK
UMWELTPOLITIK

Umweltpolitik wird in der Regel nicht mit Senioren in Zusammenhang gebracht.
Es entspricht aber dem Selbstverständnis der älteren Generation, dass sie sich
gerade um das Wohlergehen kommender Generationen sorgt. Dabei geht es
nicht nur um die Verbesserung von Lebensqualität und Gesundheit sowie den
Schutz und die Entwicklung von Natur und Lebensräumen. Zukunftsfähige Rahmenbedingungen
für einen dauerhaft generationengerechten Umgang mit der
natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen sind gleichermaßen im Blick der älteren
Generation.
Forderungen:
• Beteiligung der Älteren an der Zielfi ndung und Gestaltung einer modernen
Umweltpolitik
• Einbeziehung der Älteren bei Projekten zum Energiesparen und zur
Modernisierung von Wohnungen
• Förderung des „sanften Tourismus“, der dem Lebensgefühl Älterer
entgegenkommt

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

DIE ÜBERPRÜFUNG UND VERÄNDERUNG DER RAHMENVORGABEN ZUR SICHERUNG
DER SOZIALSYSTEM, GENERATIONENBILANZEN

Bei der Umgestaltung der sozialen Sicherungssysteme ist der Zusammenhalt der
Generationen zu wahren. Die berechtigten Ansprüche der älteren Generation
bringen es mit sich, dass die Mitwirkung der Älteren unverzichtbar ist. Die zu erwartenden
Leistungseinbußen müssen generationengerecht umgesetzt werden.
Längerfristig wird z.B. die Rente nur noch eine Grundversorgung bieten. Darüber
hinaus soll der Einzelne seine Vorsorge selbst gestalten. Die Bereitschaft, für die
eigene Gesundheit zu sorgen, zeigt sich bereits in vielfältigen Aktivitäten der
Vorsorge und Rehabilitation. Sie sollte weit mehr schon in den jüngeren Altersgruppen
verankert werden.
In Generationenbilanzen sollen die staatlichen Leistungen für die verschiedenen
Altersgruppen den Leistungen gegenüber gestellt werden, die von ihnen für die
Gesellschaft bereits erbracht wurden und werden. Unverzichtbar ist eine gründliche
wissenschaftliche Fundierung. Konkrete politische Bewertungen setzen
gesicherte Daten voraus wie Höhe der Rentenbeiträge, Kosten für Ausbildung,
Finanzierung der Infrastruktur. Wichtig sind aber auch Indikatoren wie soziale
Sicherheit, Arbeit, Gesundheit und Kultur.
Forderungen:
• Mitwirkung der älteren Generation bei den grundlegenden Reformen
der Sozialsysteme
• Weiterentwicklung des Konzepts fl exibler Eintritt in die Rente bei
Wegfall der Zuverdienstgrenzen
• Aufstellung von Generationenbilanzen

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

FAMILIENPOLITIK

Familie wird traditionell als Gemeinschaft von Eltern und Kindern verstanden,
Großeltern gehören aber auch dazu. Ältere Menschen sind innehalb von
Partnerschaften, Eltern-Kind-Beziehungen, Großeltern-Enkel-Beziehungen und
weiteren privaten Netzwerken in vielfältiger Form für Andere unterstützend
tätig. Dabei kommen sie oft an die Grenzen der Belastbarkeit.
Trotz erheblicher gesellschaftlich bedingter Veränderungen sind die Leistungen
der Familie nach wie vor beeindruckend. Nie zuvor haben in Familien
so viele Generationen gleichzeitig miteinander gelebt und das in einem guten
Klima des generationenübergreifenden Zusammenhalts. Was hindert uns daran,
die Verantwortung, die in Familien traditionell zwischen den Generationen
füreinander übernommen wird, in neuer Form auch auf die Gesellschaft, auf die
Gemeinden und Städte zu übertragen.
Forderungen:
• Familien grundsätzlich im Zusammenwirken der Generationen beschreiben:
neu defi nierte Solidarität zwischen den Generationen
• Möglichkeiten für gegenseitige Hilfe und Unterstützung zwischen
älteren Menschen einerseits und Kindern und Jugendlichen andererseits
weiterentwickeln, auch außerhalb des Familienbezugs
• Optionen für mehr Flexibilität für Frauen und Männer in der Erwerbsarbeit,
in der Sozial- und Bildungszeit und in der Familienarbeit

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

GESUNDHEIT

Gerade im höheren Alter können gesundheitliche Beeinträchtigungen die Verwirklichung
von persönlichen Lebensentwürfen, Ziel- und Wertvorstellungen erheblich
erschweren. Der für das dritte und besonders für das „vierte Lebensalter“
nicht zu leugnende Verlust an körperlichen und geistigen Funktionen bedeutet
aber nicht, dass Menschen über keine Potenziale verfügen, die sie für sich selbst
und Andere nutzen könnten. Gesundheitliche Beeinträchtigungen und die Möglichkeiten,
trotz dieser Nachteile ein positives Leben zu führen, sind zu einem
guten Teil das Resultat einer lebenslangen Entwicklung. Da etwa 70 % der Krankheiten
im Alter durch den Lebensstil im mittleren Erwachsenenalter beeinfl usst
werden, ist Gesundheit nicht nur eine Frage des Alters.
Forderungen:
• Förderung von Eigenverantwortung im Gesundheitssystem
• Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung verstärkt
auf Personengruppen ausrichten, die unter starken berufl ichen Belastungen
stehen
• Frühzeitige Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit bei Risikofaktoren
wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Alkoholmissbrauch
und ungesunder Ernährung

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK 25

PFLEGE

Die Pflege alter Menschen kann nicht mehr wie bisher funktionieren. Daher ist
die Reform der Pfl egeversicherung dringend erforderlich. Dabei gilt es zu berücksichtigen,
dass die Pfl egeversicherung weiterhin eine Teilkaskoversicherung bleiben
wird. Daran ändert auch der kurzfristig entstandene fi nanzielle Spielraum
nichts. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in Zukunft die häusliche
Pfl ege von älteren Familienangehörigen verstärkt in das Blickfeld rücken, auch
ehrenamtliche Hilfe wird verstärkt genutzt werden müssen. Für die meisten
Menschen wird die Unterbringung im Heim eine Notlösung bleiben. Das Angebot
bestehender Einrichtungen entspricht oft nicht den Bedürfnissen von Pfl egebedürftigen.
Forderungen:
• Verbesserungen im Umfeld und Vorfeld der Pfl ege (z.B. Unterstützung
für organisierte Haushaltshilfen und haushaltsnahe Dienstleistungen)
• Ausweitung der Steuervorteile für alle Privaten, die Pfl egekräfte oder
andere Dienstleister beschäftigen
• Vereinbarkeit von Pfl ege und Erwerbstätigkeit
• Bessere Abstimmung der ambulanten, teilstationären und stationären
Pfl ege unter den Beteiligten: Angehörige, Ärzte, unterstützende
Dienste, Einrichtungen
• Aufbau spezieller Strukturen für demenziell erkrankte Menschen
und für pfl egende Angehörige
• Gerontopsychiatrische Tagesstätten zur Entlastung pflegender Angehöriger
• Initiativen für Einrichtungen, die sich auch an den Belangen von Senioren
mit Migrationshintergrund orientieren

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

BEHINDERTE MENSCHEN IM RENTENALTER

Die gesellschaftliche Aufgabe, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzuführen,
stellt sich in erster Linie für die ältere Generation. Die Zahl älterer Menschen
mit Behinderungen steigt kontinuierlich. Für Behinderte ist gesellschaftliche
Teilhabe elementar. Deshalb sollten gerade Senioren mit Behinderungen so
lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Wie das Beispiel
der blinden und sehbehinderten alten Menschen zeigt, kann die Lebensqualität
durch eine Reihe relativ einfacher Maßnahmen bewahrt oder verbessert werden.
Forderungen:
• Ausbau der ambulanten Betreuung und der Selbsthilfegruppen
• Mit den Kommunen Konzepte entwickeln, um der wachsenden Zahl
älterer Menschen mit Behinderungen durch konkrete Angebote der
Betreuung und des Wohnens gerecht zu werden
• Barrierefreiheit als Kriterium bei öffentlichen Ausschreibungen,
Wettbewerben und Förderprogrammen
• Einrichtungen für das Leben nach dem Ausscheiden aus den beschützenden
Werkstätten

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

SCHMERZLINDERNDE MEDIZIN (PALLIATIVMEDIZIN)

Ziel der Palliativmedizin ist eine umfassende medizinische, pfl egerische und
psychosoziale Behandlung von Menschen mit unheilbaren Erkrankungen. Um
Patienten auf diesem Weg begleiten zu können, ist eine enge Kommunikation
zwischen allen Beteiligten notwendig. Pfl egeheime sind meist mit der palliativen
Betreuung überfordert. Das Erleben von Krankheit, Schmerz, Tod und Trauer
ist auch vom kulturellen Hintergrund des Kranken und der Angehörigen geprägt.
Kulturdifferenzen können eine hohe Barriere in der Palliativmedizin sein.
Forderungen:
• Inhalte der palliativen Versorgung in das Studium der Humanmedizin
aufnehmen
• verstärkte Fort- und Weiterbildung von Medizinern und Pfl egepersonal
• Bedarfsgerechte Einrichtung von Lehrstühlen für Palliativmedizin
• Aufbau eines fl ächendeckenden Systems von Versorgungseinheiten,
Zusammenspiel von stationärer Versorgung, Brückenpfl ege und ambulanter
Versorgung
28 ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK
ALTERNSFORSCHUNG UND ALTERSHEILKUNDE
(GERONTOLOGIE UND GERIATRIE)
Die Entwicklung der Alterungs- und Altersforschung genießt in Deutschland
bislang geringe Priorität. Notwendig sind Forschungsvorhaben im interdisziplinären
Bereich, die auch medizinische und berufl iche Rehabilitation
zum Gegenstand haben. Es fehlt an universitären gerontopsychiatrischen
Einrichtungen, die auch der kompetente Ort für Demenzforschung wären.
Die spezifi schen Aufgabenprofi le der Geriatrie und Pfl ege sind vor allem durch
das im hohen Alter erhöhte Risiko der Multimorbidität, des chronischen Krankheitsverlaufs
und funktioneller Einbußen geprägt. Forschungsergebnisse zeigen
allerdings, dass bis in das hohe Alter Rehabilitationspotenziale bestehen, das
gleiche gilt für Altersspychotherapie. So wirken Bewegung und sozialer Kontakt
äußerst positiv und dämpfend auf Depression und Demenz.
Forderungen:
• Aufbau einer interdisziplinären Alternsforschung, die medizinische,
biologische, verhaltenswissenschaftliche und gerontologische Aspekte
verbindet
• Die geriatrische Kompetenz im Zuge der medizinischen und pfl egerischen
Aus- und Weiterbildung verstärkt vermitteln
• Geriatrische Basisqualifi kation für die in der hausärztlichen Versorgung
älterer Menschen tätigen Ärzte sichern
• Beseitigung der Schnittstellenprobleme zwischen Kranken- und Pfl egeversicherung
sowie zwischen stationärer und ambulanter Versorgung
• Entwicklung von Fallpauschalen für die Begleitung schwerstkranker
Menschen

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

ÄLTERE MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

Die in Deutschland lebenden älteren Migranten gehören zum überwiegenden
Teil eher bildungsfernen Schichten an. Die erste Generation der „Gastarbeiter“ ist
heute im Rentenalter und entscheidet sich zum großen Teil dafür, ihren Lebensabend
in Deutschland zu verbringen. Aus den ehemaligen Gastarbeitern wurden
Mitbürgerinnen und Mitbürger, die nach wie vor ihrem Herkunftsland verbunden
bleiben, aber sich in Deutschland heimisch fühlen und hier Kinder und Enkel
haben. Diese wachsende Bevölkerungsgruppe nimmt selbstverständlich teil an
den großen Veränderungen des demografi schen Wandels. Hinzu kommen aber
spezifi sche ethnische, kulturelle und religiöse Probleme, die beim Bemühen um
Integration nicht vernachlässigt werden sollten.
Forderungen:
• Potenziale älterer Migranten in Arbeitswelt und Wirtschaft fördern
• Migranten stärker in die Weiterbildung einbeziehen, die mit Sprachförderung
kombiniert werden muss
• Angebote für Senioren mit Migrationshintergrund im Bereich der
ambulanten und stationären Altenpfl ege
• Modelle der interkulturellen Öffnung der Altenhilfe
• Die besonderen kulturell und religiös bedingten Anliegen angemessen
berücksichtigen

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

EUROPÄISCHE POLITIK FÜR SENIOREN

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt Europa eine bis dahin noch nie da gewesene
Periode fortwährenden Friedens. Sie fußt auf dem Werk der Versöhnung
der älteren Generationen, wie sie z.B. zwischen Deutschen und Franzosen sowie
Deutschen und Polen exemplarisch gelungen ist. Sie ging einher mit gewachsenem
Wohlstand und einem hohen Maß an innerer und sozialer Sicherheit, die es
sowohl für die jungen als auch für die älteren Menschen weiter zu entwickeln gilt.
In Madrid tagte im April 2002 die zweite Weltaltenkonferenz der Vereinten Nationen,
an der auch eine große Delegation aus der Bundesrepublik teilnahm.
Eine politische Deklaration und einen Aktionsplan hat die Bundesregierung mit
unterzeichnet. Grundforderung ist die Entwicklung einer Gesellschaft aller Altersgruppen,
in der die steigende Lebenserwartung begrüßt und das Potenzial
des älteren Teils der Bevölkerung in soziale und wirtschaftliche Programme integriert
wird. U.a. wird die Verurteilung der Diskriminierung älterer Menschen
und die internationale Koordination der Forschung über das Altern gefordert. Ein
zentraler Punkt ist die umfassende Teilhabe dieser Bevölkerungsgruppe am gesellschaftlichen
Leben jeder Form: wirtschaftlich, politisch, sozial und kulturell.
Forderungen:
• Verständnis wecken für die Aufgabe der älteren Menschen, auch in
Zukunft eine Pionierrolle im Miteinander der Nationen und Völker zu
übernehmen
• Geldwertstabilität in den Zielkanon der Verfassung übernehmen und
die Unabhängigkeit der europäischen Zentralbank sichern
• der Stabilitätspakt muss ohne Abstriche eingehalten werden. Der
Euro als neue Währung war für die Bürgerinnen und Bürger mit der
Zusage einer soliden Geld- und Haushaltspolitik verbunden
• Gewährleistung angemessener sozialer Standards in allen Mitgliedsländern
• Einführung einer Generationenbilanz auf europäischer Ebene, die
Lasten und Leistungen zwischen den Generationen deutlich macht

ECKPUNKTE LIBERALER SENIORENPOLITIK

ZUSAMMENFASSEND

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf die Zukunft
vorbereitet zu sein (Perikles).“ Für die Liberalen Senioren steht die verantwortliche
Mitarbeit der älteren Generation an den gesellschaftlichen Entwicklungen
im Vordergrund. Sie setzt aber eine substanzielle politische Teilhabe voraus. Dazu
muss die Initiative maßgeblich von den Älteren selbst ausgehen. Wir wollen das
Bewusstsein stärken, dass ohne die aktive Mitwirkung der älteren Generation
die anstehenden Aufgaben nicht bewältigt werden können. Auch Senioren mit
Migrationshintergrund sind gefordert daran mitzuwirken.
Die Ansätze einer programmatischen Seniorenpolitik - auch in der FDP - sind bisher
nicht ausreichend, um die Auswirkungen des demografi schen Wandels zu
bewältigen. Die Herausforderungen des demografi schen Wandels stellen hohe
Ansprüche insbesondere an die zukünftige liberale Politik, da grundlegende
strukturelle Veränderungen in allen Politikbereichen stattfi nden werden.
Die Integration von seniorenpolitischen Themen in alle liberalen Programme hat
eine wichtige Funktion für die Zielgruppe der älteren Bürger. So ist der Bereich
Wirtschaft und Arbeitsmarkt organisch verbunden mit dem Thema Arbeitsplätze
für ältere Arbeitnehmer. Verkehrspolitik umfasst zwingend auch die Mobilität
älterer Menschen, welche die Lebensqualität maßgeblich bestimmt. Eine ausreichende
fi nanzielle Ausstattung der Kommunen ist Voraussetzung für Investitionen
in das Leben und Wohnen im Alter, die auch kommenden Generationen
zugute kommen.
Die Liberalen Senioren fordern, dass die programmatischen Aussagen der FDP
den demographischen Wandel und die berechtigten Bedürfnisse der Älteren berücksichtigen.
Die FDP muss den älteren Wählern deutlich zeigen, dass sie als liberale Partei glaubwürdig für ältere Menschen eintritt.